Robo Advisor

Zuletzt aktualisiert am 05.09.2026 von Redaktion tarife-im-test.de

Ein Robo-Advisor ist eine digitale Vermögensverwaltung, die die Geldanlage automatisiert und algorithmusbasiert übernimmt. Im Folgenden vergleichen wir aktuelle Anbieter, erklären die Kosten und zeigen, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.

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Was ist ein Robo-Advisor?

Ein Robo-Advisor ist eine digitale Vermögensverwaltung: Anleger beantworten online einen Fragebogen zu Anlagezielen, Anlagehorizont und Risikobereitschaft. Auf dieser Basis stellt ein Algorithmus ein Portfolio zusammen – meist aus börsengehandelten Indexfonds (ETFs) – und überwacht es laufend. Weicht die Gewichtung vom Zielkorridor ab, wird automatisch umgeschichtet (Rebalancing).

In Deutschland ist das Konzept kein neues Phänomen: Die ersten Anbieter, darunter quirion, sind bereits seit 2014 und damit seit gut zwölf Jahren am Markt aktiv. In dieser Zeit hat sich der Markt spürbar verändert: Manche Anbieter haben ihre Konditionen deutlich gesenkt, neue Anbieter sind hinzugekommen, andere haben ihr Angebot wieder eingestellt oder befinden sich im Umbau. Ein bekanntes Beispiel für eine Marktbereinigung ist der Robo-Advisor „Solidvest Blue“ der DKB, der 2021 gestartet und bereits 2022 wegen zu geringer Nachfrage wieder eingestellt wurde.

Wie funktioniert die automatisierte Geldanlage?

  1. Risikoprofil ermitteln: Ein Online-Fragebogen erfasst Anlagesumme, Anlagehorizont, Erfahrung und Verlusttoleranz.
  2. Portfolio-Vorschlag: Der Algorithmus ordnet den Anleger einer Risikoklasse zu und schlägt ein passendes ETF-Portfolio vor (Aktien-/Anleihen-Mix).
  3. Umsetzung: Nach Depoteröffnung wird das Portfolio automatisiert bespart oder per Einmalanlage investiert.
  4. Laufende Überwachung: Das Depot wird regelmäßig automatisch neu ausgerichtet (Rebalancing), teils passt sich die Aktienquote mit zunehmendem Alter automatisch an (Lifecycle-Modell).

Anleger müssen sich nicht selbst um die Auswahl einzelner ETFs oder das Timing von Umschichtungen kümmern – das übernimmt der Anbieter gegen eine laufende Servicegebühr.

Robo-Advisor im Vergleich: Anbieter und Kosten

Die folgende Übersicht zeigt sechs aktuell am Markt aktive Anbieter mit ihren wichtigsten Konditionen. Alle Angaben sind Richtwerte auf Basis der jeweils genannten Quellen und können sich ändern – ein Blick auf die aktuelle Preisseite des Anbieters vor Vertragsabschluss ist empfehlenswert.

  • Scalable Capital staffelt die Gesamtkosten nach Anlagevolumen – je mehr angelegt wird, desto günstiger die Gesamtkostenquote. Eine Aufteilung der Gesamtkosten in Servicegebühr und Fondskosten ist durch die Primärquelle nicht ausgewiesen. Einstieg bereits ab 20 Euro möglich.
  • Whitebox bietet mit den „Global“-Strategien eine der günstigeren Gesamtkostenquoten im Vergleich, bereits ab 25 Euro Mindestanlage. Laut Medienberichten befindet sich der Anbieter aktuell in einem größeren Umbau: Die Gründer sind 2025 ausgeschieden, es gibt eine neue Geschäftsführung, und Berichten zufolge wird über einen möglichen neuen Markennamen (im Gespräch: „Heartbroker“) nachgedacht. Ein bestätigter Zeitplan liegt nicht vor – wir aktualisieren diese Angabe, sobald belastbare Informationen des Anbieters selbst vorliegen.
  • Fintego wird heute unter der FNZ Bank geführt und arbeitet mit einer nach Anlagesumme gestaffelten All-in-Fee – je höher die Anlagesumme, desto niedriger die prozentuale Gebühr.
  • Visualvest, ein Angebot der Union-Investment-Gruppe, kombiniert eine feste Servicegebühr mit vergleichsweise günstigen Fondskosten.
  • quirion verzichtet auf eine Mindestanlage und weist ausschließlich eine Servicegebühr aus. Die Kosten der im Portfolio enthaltenen ETFs/Fonds (TER) sind auf der Anbieter-Kostenseite nicht separat ausgewiesen, können aber zusätzlich zur Servicegebühr anfallen.
  • ING Smart Invest ist die Robo-Advisor-Lösung der ING-DiBa mit niedriger Einstiegshürde (ab 20 Euro) und volumensabhängiger Staffelung der Servicegebühr; die ETF-Kosten sind hier separat ausgewiesen und kommen zur Servicegebühr hinzu.

Daneben gibt es weitere Anbieter wie growney, Oskar oder das Angebot „cominvest“ von comdirect, deren Konditionen für diesen Vergleich nur über Sekundärquellen verifiziert werden konnten und daher nicht in der Haupttabelle mit fester Kosten-Prozentangabe stehen, sondern nachrichtlich am Ende der Tabelle.

Hinweis: Trade Republic wird hier bewusst nicht als Robo-Advisor-Anbieter genannt, da nicht verifizierbar ist, dass dort ein echtes automatisiertes Vermögensverwaltungsprodukt existiert.

Vergleichstabelle (Stand: 05.09.2026)

Anbieter Servicegebühr p. a. ETF-/Fondskosten (TER) Gesamtkosten p. a. (ca.) Mindestanlage Sparplan möglich
Scalable Capital in Gesamtkosten enthalten, keine Aufschlüsselung verifiziert in Gesamtkosten enthalten, keine Aufschlüsselung verifiziert ca. 0,87 % (bis 100.000 €); ca. 0,81 % (100.000–500.000 €); ca. 0,61 % (>500.000 €) ab 20 € Ja
Whitebox (Global) 0,35 % ø ca. 0,21 % ca. 0,56 % 25 € Ja
Whitebox (Value) 0,35–0,95 % ø ca. 0,22 % ca. 0,57–1,17 % 5.000 € Ja
Fintego 0,90/0,70/0,60/0,50 % je Stufe ø ca. 0,25 % ca. 0,75–1,15 % 2.500 € / 50 € Sparplan Ja
Visualvest 0,60 % ø ca. 0,16 % ca. 0,76 % 25 € Ja
quirion 0,48 % nicht separat ausgewiesen, kann zusätzlich anfallen 0,48 % zzgl. ggf. nicht separat ausgewiesener Fondskosten keine Ja
ING Smart Invest 0,75 % / 0,65 % je Stufe 0,12–0,42 % (zusätzlich zur Servicegebühr) ca. 0,87–1,17 % (<50.000 €) / ca. 0,77–1,07 % (≥50.000 €) 20 € Ja

Weitere Anbieter, nur über Sekundärquellen verifiziert: growney (Servicegebühr 0,25–0,68 %, Mindestanlage 500 €/25 € Sparplan), Oskar (Servicegebühr 0,70–1,00 %, Mindestanlage 1.000 €/25 € Sparplan), comdirect/cominvest (Konditionen nicht primärquellenverifiziert).

Was kostet ein Robo-Advisor? Rechenbeispiel

Die Gesamtkosten eines Robo-Advisors setzen sich in der Regel aus zwei Bestandteilen zusammen: der Servicegebühr des Anbieters für Portfoliomanagement, Rebalancing und Depotführung, und den Fondskosten (TER) der im Portfolio enthaltenen ETFs bzw. Fonds.

Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro ergeben sich daraus – je nach Anbieter und Tarifstufe – näherungsweise folgende jährliche Gesamtkosten (Stand 05.09.2026):

Anbieter Gesamtkostenquote (ca.) Kosten p. a. bei 10.000 € (ca.)
Scalable Capital (bis 100.000 €) 0,87 % ca. 87 €
Whitebox (Global) 0,56 % ca. 56 €
Fintego 0,75–1,15 % je nach Anlagesumme-Stufe ca. 75–115 €
Visualvest 0,76 % ca. 76 €
quirion 0,48 % (zzgl. ggf. weiterer Kosten) ca. 48 € (zzgl. ggf. weiterer Kosten)
ING Smart Invest (<50.000 €) ca. 0,87–1,17 % ca. 87–117 €

Diese Beträge sind Näherungswerte. Zum Vergleich: Bei einem Selbstbau-Depot mit sehr günstigen ETFs können die reinen Fondskosten deutlich niedriger liegen (oft unter 0,25 % TER) – dafür entfällt dann aber auch das automatisierte Management durch den Robo-Advisor.

Sicherheit: Was passiert mit meinem Geld bei einer Insolvenz?

Robo-Advisor arbeiten nach dem sogenannten Depotbank-Prinzip: Die im Portfolio gehaltenen ETFs und Fonds gelten rechtlich als Sondervermögen. Das bedeutet, sie sind vom Vermögen des Robo-Advisor-Anbieters getrennt und fallen im Insolvenzfall des Anbieters nicht in dessen Insolvenzmasse. Anleger könnten ihr Depot in diesem Fall zu einem anderen Anbieter übertragen lassen.

Anders sieht es bei nicht investiertem Cash-Bestand auf dem Verrechnungskonto aus: Dieser fällt unter die gesetzliche Einlagensicherung der depotführenden Bank (in der Regel bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank). Anbieter von Finanzdienstleistungen in Deutschland unterliegen grundsätzlich der Aufsicht durch die BaFin bzw. arbeiten mit BaFin-regulierten Partnerbanken zusammen – dies sollte im Einzelfall beim jeweiligen Anbieter geprüft werden.

Robo-Advisor, ETF-Sparplan oder klassische Vermögensverwaltung – was passt zu mir?

Wer sich für die automatisierte Geldanlage interessiert, steht meist vor drei Alternativen. Bei einem Robo-Advisor übernimmt der Anbieter Portfolioaufbau und laufendes Rebalancing gegen eine laufende Servicegebühr – das eignet sich für alle, die die Anlageentscheidung und -pflege abgeben möchten, ohne die höheren Gebühren einer klassischen Vermögensverwaltung zu zahlen. Wer stattdessen einen selbst zusammengestellten ETF-Sparplan bei einem Broker führt, wählt eigenständig einen oder mehrere ETFs aus und legt Sparraten selbst fest; Rebalancing und Anpassungen erfolgen manuell. Die laufenden Kosten können dadurch niedriger ausfallen, dafür sind mehr Eigeninitiative und ein gewisses Grundwissen nötig. Die dritte Variante, die klassische (Fonds-)Vermögensverwaltung einer Bank, bietet persönliche Beratung und individuellere Betreuung, ist dafür aber in der Regel mit deutlich höheren Gebühren verbunden als automatisierte Lösungen. Welche Variante am besten passt, hängt letztlich davon ab, wie viel Eigenverantwortung und Zeitaufwand man selbst investieren möchte und wie kostensensitiv man ist.

Steuerliche Behandlung

Robo-Advisor-Depots werden steuerlich wie andere Wertpapierdepots mit ETFs behandelt. Erträge unterliegen der Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer; bei thesaurierenden Fonds fällt zusätzlich die sogenannte Vorabpauschale an, die jährlich auf Basis eines Basiszinses fiktiv besteuert wird, auch wenn keine Ausschüttung erfolgt. Über einen Freistellungsauftrag lässt sich der Sparer-Pauschbetrag nutzen, sodass Kapitalerträge bis zur jeweils gültigen Freigrenze steuerfrei bleiben. Die meisten Anbieter führen die anfallende Steuer automatisch über die depotführende Bank ab, sodass Anleger in der Regel keine zusätzliche Erklärung in der Steuererklärung vornehmen müssen. Für die individuelle steuerliche Situation empfiehlt sich bei Bedarf dennoch eine persönliche steuerliche Beratung.

Auswahlkriterien: Welcher Robo-Advisor passt zu mir?

Bei der Wahl eines Anbieters lohnt sich zunächst ein Blick auf die Gesamtkosten – also Servicegebühr und Fondskosten zusammen – statt nur die Servicegebühr isoliert zu betrachten, da einzelne Anbieter ihre Kosten unterschiedlich ausweisen. Ebenso wichtig ist, ob Mindestanlage und Sparplanfähigkeit zur eigenen Anlagesumme passen: Manche Anbieter ermöglichen den Einstieg bereits ab 20 bis 25 Euro, andere setzen deutlich höhere Einstiegsbeträge voraus. Darüber hinaus unterscheiden sich Anbieter in ihrer Anlagestrategie – rein passiv über ETFs oder mit aktiveren Komponenten – sowie darin, ob Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Optionen angeboten werden, falls dies gewünscht ist. Nicht zuletzt lohnt sich gerade in einem Markt, der sich immer wieder verändert, ein Blick auf die Aktualität und Stabilität des Anbieters, etwa auf laufende Umstrukturierungen oder Änderungen in der Geschäftsführung.

Häufige Fragen zu Robo-Advisor (FAQ)

Ein Robo-Advisor ist eine digitale Vermögensverwaltung, die auf Basis eines Risikofragebogens automatisiert ein ETF-Portfolio zusammenstellt, bespart und laufend überwacht (Rebalancing).
Die Gesamtkosten setzen sich aus einer Servicegebühr des Anbieters und den Kosten der im Portfolio enthaltenen ETFs/Fonds zusammen. Je nach Anbieter liegen die Gesamtkosten aktuell (Stand 05.09.2026) zwischen rund 0,48 % und über 1 % pro Jahr, teils gestaffelt nach Anlagesumme.
Die investierten ETFs/Fonds gelten als Sondervermögen und sind im Insolvenzfall des Anbieters vom Anbietervermögen getrennt. Nicht investiertes Guthaben auf dem Verrechnungskonto fällt unter die gesetzliche Einlagensicherung der depotführenden Bank.
Das hängt vom Anbieter ab: Einige ermöglichen den Einstieg bereits ab 20 bis 25 Euro (z. B. Scalable Capital, Whitebox Global, Visualvest, ING Smart Invest), andere setzen höhere Mindestanlagen voraus (z. B. Fintego ab 2.500 Euro Einmalanlage bzw. 50 Euro im Sparplan, Whitebox Value ab 5.000 Euro). quirion verlangt keine Mindestanlage.
Bei einem Robo-Advisor übernimmt der Anbieter Portfolioaufbau und laufendes Rebalancing gegen eine Servicegebühr. Bei einem selbst verwalteten ETF-Sparplan wählt und pflegt der Anleger sein Portfolio eigenständig – das kann die laufenden Kosten senken, erfordert aber mehr Eigeninitiative und Grundwissen.
Erträge unterliegen der Abgeltungsteuer (zzgl. Solidaritätszuschlag, ggf. Kirchensteuer); bei thesaurierenden Fonds fällt zusätzlich die Vorabpauschale an. Über einen Freistellungsauftrag lässt sich der Sparer-Pauschbetrag nutzen.

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