
Zuletzt aktualisiert am 06.09.2026 von Redaktion tarife-im-test.de
Ein Wertpapierdepot ist heute in wenigen Minuten online eröffnet – und der deutsche Broker-Markt hat sich seit den letzten großen Umbrüchen erneut spürbar verändert. Seit dem 1. Juli 2026 gilt in Deutschland das vollständige Verbot von Payment for Order Flow (PFOF): Die EU-weite Regelung besteht bereits seit März 2024, Deutschland hatte für die Umstellung eine nationale Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026 genutzt. Broker, die Kundenorders bislang gegen Rückvergütungen an bestimmte Handelspartner weitergeleitet haben, mussten ihre Preis- und Handelsmodelle daher anpassen. Wer aktuell ein Depot eröffnen oder wechseln möchte, sollte deshalb nicht auf ältere Vergleichsdaten zurückgreifen, sondern auf den aktuellen Stand der Konditionen achten.
Dieser Beitrag erklärt die Grundlagen eines Wertpapierdepots, zeigt die aktuellen Kernkonditionen ausgewählter Anbieter und beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Kosten, Sicherheit und Depoteröffnung.
Was ist ein Wertpapierdepot?
Ein Wertpapierdepot ist im Grunde das Pendant zum Girokonto – nur dass darin keine Euro-Beträge, sondern Wertpapiere wie Aktien, ETFs, Anleihen oder Fondsanteile verwahrt werden. Technisch liegen die Wertpapiere in aller Regel in der sogenannten Girosammelverwahrung bei der Clearstream Banking AG, der zentralen deutschen Wertpapiersammelbank. Das Depot beim Broker oder bei der Bank ist dabei nur die Verwaltungsebene: Die verwahrten Wertpapiere bleiben rechtlich Eigentum der Anlegerin oder des Anlegers und sind vom Vermögen des depotführenden Instituts getrennt.
Depotführung und Wertpapierhandel sind zwei unterschiedliche Leistungen, die häufig getrennt bepreist werden: Die Depotführung umfasst die reine Verwahrung und Verwaltung der Wertpapiere, der Handel (die sogenannte Orderausführung) das eigentliche Kaufen und Verkaufen. Ein Anbieter kann also eine kostenlose Depotführung anbieten und trotzdem Gebühren pro Order verlangen – oder umgekehrt.
Depotkosten im Überblick: Diese Gebührenarten gibt es
Wer Angebote vergleicht, sollte im Wesentlichen vier Kostenarten im Blick behalten:
- Ordergebühr: Die Gebühr für den Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers. Sie wird entweder als fester Pauschalpreis pro Order, als Kombination aus Grundgebühr plus prozentualem Anteil am Ordervolumen, oder – bei manchen Neobrokern – nur über den Spread (die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) erhoben.
- Depotführungsgebühr: Die laufende Gebühr für die Verwahrung des Depots, meist monatlich oder jährlich abgerechnet. Viele Anbieter verzichten inzwischen komplett darauf oder erlassen sie bei bestimmten Bedingungen, etwa einer Mindestanzahl an Trades pro Quartal.
- Fremdkostenpauschale: Zusätzliche Kosten, die nicht vom depotführenden Institut selbst, sondern von Dritten erhoben werden, etwa Börsenentgelte, Maklercourtage oder Gebühren ausländischer Handelsplätze. Diese Kosten fallen unabhängig vom gewählten Broker an, sobald ein bestimmter Handelsplatz genutzt wird.
- Fondsgebühren (laufende Kosten): Bei Investmentfonds und ETFs fällt zusätzlich zur Ordergebühr eine laufende, im Fondspreis bereits eingepreiste Verwaltungsgebühr (die Gesamtkostenquote bzw. TER) an. Diese Kosten entstehen unabhängig vom Depotanbieter und sind beim Vergleich einzelner Fonds oder ETFs zu berücksichtigen, nicht beim Depotvergleich selbst.
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Anbieter-Vergleich: Aktuelle Kernkonditionen
Stand: September 2026. Die folgenden Angaben bilden den aktuellen Kenntnisstand ab. Insbesondere infolge des PFOF-Verbots, das seit dem 1. Juli 2026 vollständig in Kraft ist, haben mehrere Broker ihre Preis- und Handelsmodelle angepasst – weitere Änderungen an Konditionen sind möglich. Vor einer Depoteröffnung lohnt sich daher immer ein Blick auf die aktuellen Preisverzeichnisse der Anbieter.
| Anbieter | Ordergebühr / Preismodell | Depotführung | ETF-Sparplan |
|---|---|---|---|
| Trade Republic | 1 € pro Order (Best-Price-Order: 1 € + Spread, Vergleich über 30 Börsen) oder 2 € (Direct-Price-Order, Börse frei wählbar) | 0 € (dauerhaft kostenlos) | 0 €, Sparrate ab 1 € |
| Scalable Capital | Free Broker: 0,99 € pro Order (0 € für Prime-ETFs ab 250 €); Prime+: 0 € ab 250 € pro Order, 4,99 € monatliche Flatrate | 0 € bei allen Modellen | 0 € pro Ausführung, Sparrate ab 1 € |
| comdirect | Inland: 4,90 € + 0,25 % (mind. 9,90 €, max. 59,90 €) | 1,95 € pro Monat, kostenlos ab 2 Trades pro Quartal, mit Verbund-Girokonto oder ab 1 Sparplanausführung pro Quartal | Kein Grundentgelt, 1,50 % Orderprovision vom Anlagebetrag |
| ING | 4,90 € + 0,25 % (max. 69,90 €) | 0 € | Ab 1 € Sparrate, breite ETF-Auswahl |
| DKB | Gestaffelt: 10 € bis 5.000 €, 15 € (5.000–20.000 €), 30 € ab 20.000 €; über Tradegate, gettex, Quotrix oder außerbörslich kostenlos | Kostenlos (Ausnahme: Verwahrentgelt bei Xetra-Gold/ADRs) | 1,50 € pro Ausführung, Sparrate ab 25 € |
| Consorsbank | 4,95 € + 0,25 % (mind. 9,95 €, max. 69 €) | 0 € | 0 € Ausführungskosten (Aktien-Sparplan 1,5 %) |
| flatexDEGIRO | 5,90 € pro Trade | 0 € pro Jahr | 0 € Ausführungskosten (Aktien-Sparplan 1 %), Sparrate ab 25 € |
| Smartbroker+ | 0 € ab 500 € Ordervolumen über gettex, darunter 1 € pro Order zzgl. marktüblicher Spreads | 0 € | 0 € Ausführungskosten, Sparrate ab 1 € |
| finanzen.net zero | 0 € Ausführung für ETF-Sparpläne; 1 € Mindermengenzuschlag bei ETF-Einzelorders unter 500 € außerhalb des Sparplans | Kostenlos | 0 € pro Ausführung, Mindestsparrate 1 € |
1 Über alle Anbieter hinweg zeigt sich ein Trend, der laut Marktbeobachtung seit den späten 2010er-Jahren zu beobachten ist: Umsatzabhängige, prozentuale Gebührenmodelle werden zunehmend durch Pauschalpreise oder sogar Nulltarif-Modelle ersetzt – vor allem bei den sogenannten Neobrokern wie Trade Republic, Scalable Capital oder Smartbroker+. ETF-Sparpläne sind mittlerweile bei praktisch allen hier aufgeführten Anbietern kostenlos oder sehr günstig ausführbar, häufig bereits ab einer Mindestsparrate von 1 €.
Depot eröffnen: Video-Ident als heutiger Standardweg
Die Depoteröffnung selbst läuft bei den meisten Anbietern vollständig online ab und dauert in der Regel nur wenige Minuten. Als Standardverfahren zur Identitätsprüfung hat sich das Video-Ident-Verfahren etabliert: Dabei weist man sich per Webcam oder Smartphone-Kamera und Ausweisdokument gegenüber einem Mitarbeitenden oder einem automatisierten System aus – der gesamte Vorgang dauert meist rund fünf Minuten und ist bei vielen Anbietern an sieben Tagen die Woche verfügbar. Als Alternative für Kundinnen und Kunden ohne Webcam oder mit Vorbehalten gegenüber der Video-Identifikation steht bei vielen Instituten weiterhin das Postident-Verfahren zur Verfügung, bei dem die Identitätsprüfung in einer Postfiliale erfolgt. Dieses Verfahren ist in der Regel langsamer, da ein Postfilialbesuch sowie die postalische Weiterleitung der Daten erforderlich sind.
Depot vergleichen: Worauf es zusätzlich ankommt
Neben den reinen Kosten lohnt sich beim Depotvergleich ein Blick auf Handelsplatzangebot, App- und Plattformqualität, Sparplanfähigkeit einzelner Wertpapiere sowie den Kundenservice. Wer eine größere Auswahl an Handelsplätzen und Wertpapierarten benötigt, ist bei etablierten Direktbanken oft besser aufgehoben als bei reinen Neobrokern, die sich meist auf ein schlankeres Angebot konzentrieren. Neben eigenen Depotvergleichen bieten auch andere Portale Orientierung2: Verivox betreibt beispielsweise einen interaktiven Depot-Vergleichsrechner, bei dem Nutzerinnen und Nutzer unter anderem Ordervolumen und Depotvolumen eingeben können und daraufhin eine nach Preis sortierte Anbieterliste erhalten. Auch Finanztip, ein unabhängiges, redaktionelles Verbraucherportal, bietet einen eigenen Ratgeber zum Thema Depot. Weitere Vergleichsportale können ebenfalls Depot-Vergleiche anbieten; ein Blick auf mehrere Quellen ist vor einer Entscheidung generell empfehlenswert.
Häufige Fragen zum Wertpapierdepot
1 Marktentwicklungs-Trend: eigene Einordnung auf Basis der recherchierten Anbieterkonditionen, nicht Zitat einer Einzelquelle.
2 Verivox-Funktionsbeschreibung direkt von der Verivox-Produktseite abgerufen (Stand September 2026); Finanztip-Nennung als allgemeine Erwähnung, Volltext zum Prüfzeitpunkt nicht zugänglich. Vollständige Quellenliste inkl. Hersteller-/Sekundärquellen-Kennzeichnung: siehe internes Recherche-Dokument WP-34-RECHERCHE.
